Sanny’s Dogwalker Coaching – Spannend und lehrreich

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Innerhalb von Sanny’s Dogwalker Ausbildung, die ich, Silke Frankl von Silke’s Dog Service, bei Anne absolvieren darf, haben wir insgesamt 10 Tage Coaching, in denen wir Einblick in die Arbeit eines Dogwalkers haben.

Silke Frankl aus Augsburg und eine der Hundegruppe an ihrem ersten Tag

Anne: Ich freue mich, dass Silke sich für meine Dogwalker Ausbildung entschieden hat und bei mir ihr Wissen erweitert!

Ich war sehr gespannt auf das Coaching, da ich ja selber jeden Tag viel mit meinen Betreuungshunden laufe und hatte somit große Erwartungen an das Lernpensum.

Anne: Ich hoffe, ich konnte es erfüllen! In deiner Coachingwoche war sehr viel los und du hattest dadurch einen guten Einblick in meine Arbeit mit den Hunden und auch mit Menschen.

Die Montags-Gruppe Nr. 2 🙂

Montagmorgen um 07.30 Uhr ging es also los. Ich bin zu Anne gefahren, um von dort aus mit ihr zusammen ihre Hunde mit dem Auto abzuholen. Es ist etwas hektisch morgens, da wir in kürzester Zeit viele, viele Hunde einsammeln mussten. Aber für ein „Guten Morgen“ für jeden Hund war Zeit.

Anne: Ich würde es ja eher als strukturiert bezeichnen 😉 Aber ja, ich habe einen straffen Zeitplan.

Schon ab der Haustüre wird positiv gearbeitet. Es gab ein, zwei Hunde, die Angst hatten vor fremden Menschen und mich natürlich dann sehr gruselig fanden. Ruhiges hingehen und hinsehen wurde von Anne sofort gemarkert und belohnt.

Auch in die Autobox einsteigen wurde gemarkert und belohnt. Die Hunde sind aber schon sehr routiniert im Morgenablauf.

Anne: Für mich selbstverständlich 🙂 Es wird immer über positive Verstärkung gearbeitet und immer gutes Verhalten verstärkt.

Anschließend sind wir zum Gassi-Gebiet gefahren und haben dort die Hunde raus gelassen. Während des Ausladens wird Futter gestreut, um die Hunde erst mal zu beschäftigen, somit hatten wir Zeit alle Hunde in Ruhe aus dem Auto zu holen.

Anne: Ich liebe Futterstreuen statt Sitzen, ist eine einfache Ortskonditionierung und sehr wirkungsvoll ohne die Hunde sehr stark in ihrer Bewegung einzuschränken. Hunde, die neu sind oder Probleme haben, sind an der Leine bzw. Schleppleine.

Alle Hunde tragen Geschirre. Hunde die kein Geschirr mitbringen, bekommen von Anne eines. An den Geschirren werden Klettbänder festgemacht auf dem die Telefonnummer von Anne steht, falls mal jemand ausbüxen sollte.

Ayna und meine Telefonnummer – durch Klett ganz praktisch am Geschirr zu befestigen.

Die meisten Hunde laufen größtenteils ohne Leine, auch ohne Schleppleine. Jagdlich motivierte Hunde, die sich nur schlecht abrufen lassen, oder Hunde die fremde Menschen oder Hunde verbellen laufen  an der Schleppleine. Diese ist natürlich am Geschirr befestigt.

Anne: Das ist eine Selbstverständlichkeit für mich! Die Schleppleine gehört generell nur an einem Brustgeschirr befestigt.

Während des Spaziergangs wurden die Hunde viel für ruhiges Verhalten gelobt. Auch für Spielunterbrechungen oder ruhiges begrüßen eines fremden Hundes wurde viel gemarkert und mit Futter belohnt. Eigentlich in allen Situationen, in denen die Hunde gutes Verhalten zeigen wurde gemarkert. In schwierigeren Situationen gab es hochwertigeres Futter – Wurst, Käse oder Futter, welches den Hunden super gut schmeckt.

Anne: Ich steh‘ halt auf gutes Verhalten der Hunde 😉 Das ist das „große Geheimnis“ meiner Arbeit. Ich verstärke deeskalierendes Verhalten unter den Hunden und ich gebe es zu: Ich arbeite sehr gerne mit Futter, aber natürlich nicht non Stop! Die Hunde dürfen 90% des Spaziergangs einfach Hund sein und ihren Spaziergang auf hündische Art genießen.

Rhodesian Ridgeback Ayna muss mit ihren 6 Monaten noch viel lernen und macht sich sehr gut!

Dienstags hatten wir eine Rhodesien Ridgback Hündin namens Ayna mit an Bord. Sie ist erst ein halbes Jahr alt und wurde kurzfristig von Anne übernommen, da die eigentliche Dogsitterin verhindert war. Die junge Hündin war etwas überfordert mit der Situation und war wahnsinnig unruhig. Durch ihr hohes Erregungslevel konnte sie nur schlecht die Signale der anderen Hunde wahrnehmen. Es gab einige Hunde, vor allem aber die kleinen Hunde, die sie bedrohlich fanden, da Ayna sehr schnelle und unruhige Bewegungen machte und auch ihre Spielaufforderungen sehr hektisch waren. Die anderen Hunde hatten ihr klar zu verstehen gegeben, dass sie nicht mit Ayna spielen wollten. In diesen Situationen wurde sie immer wieder abgerufen.

Anne: Am meisten für junge Hunde ist es ganz wichtig ruhiges Verhalten immer wieder zu belohnen. Die Körpersprache der Hunde genau zu beobachten ist sehr wichtig, um zu erkennen, ob zum Beispiel Spiel beiden Hunden Spaß macht und nicht einer von beiden Hunden Stress hat. Am Anfang mag das Ruhe rein bringen in einen jungen Hund sehr viel Impulskontrolle kosten (oh ja, es hat mich sehr viel Impulskontrolle gekostet!), aber es lohnt sich. Den Hund erst einmal machen zu lassen, ist ungünstig, da der Hund das unerwünschte Verhalten erlernt. Es gilt also: Von Anfang richtiges Verhalten sehr stark verstärken! 

Rhodesian Ridgeback Ayna und Entlebucher Sennenhund Finn

Ayna lief drei Tage an der Schleppleine und wurde viel für ruhiges Verhalten und eigenständige Spielunterbrechung verstärkt. Am dritten Tag war Ayna viel ruhiger und nicht mehr so hibbelig. Sie konnte schön mit dem Entlebucher Sennenhund Namens Finn spielen und konnte das Spiel auch gut unterbrechen.   Auch das Annähern an andere Hunde wurde viel besser und ruhiger.

Anne: Da sieht man wieder, wie schnell die Hunde mit Hilfe von richtigem Timing und positiver Verstärkung lernen!

Am Mittwoch kam dann noch Heidi dazu, eine Goldendoodle-Hündin. Heidi war auch nicht sehr begeistert von Ayna und zeigte deutlich, dass sie mit ihr nichts zu tun haben möchte, weil sie Aynas Verhalten gruselig fand. Ayna wurde immer wieder abgerufen, wenn sie zu Heidi hinsprang. Als Alternativverhalten sollte sie sich hinsetzen und wurde dafür gelobt. Heidi wurde auch gerufen und beide wurden voneinander weg belohnt. Die Spannung zwischen Heidi und Ayna löste sich recht zügig.

Rhodesian Ridgeback Hündin Ayna und Goldendoodle Hündin Heidi

 

Anne: Es ist so toll, dass ich über positive Verstärkung Ansatzverhalten unterbrechen kann ohne die Hunde zu ängstigen oder irgendwelche aversive Schreckreize zu verwenden. Und sie lernen auch noch so viel schneller und ruck-zuck sind Spannungen unter den Hunden weg und sie nähern sich an!

Jeden Tag trafen wir natürlich Fahrradfahrer, Jogger und fremde Hunde. Anne gab immer das Signal „Hier“ und benannte den Umweltreiz mit „Mensch“, „Fahrrad“ o.Ä. Die Hunde kamen sofort alle zu ihr, dafür wurde natürlich gemarkert und Futter zur Seite gestreut, so konnte der Umweltreiz ungestört an der Hundegruppe vorbei. Auch Hunde, die ein Problem mit solchen Umweltreizen hatten, haben schön das Futter am Boden gesucht und sind nicht zum Umweltreiz hin. Diese Sequenz ist quasi für alle Hunde ein schönes Alternativverhalten. Sie haben alle gelernt, wenn ein Umweltreiz kommt, gehen wir zu Anne, da es Futter gibt.

Silke Frankl in ihrem Element beim Dogwalker-Coaching

Anne: Ja, das ist sehr cool und sehr wirkungsvoll! Ich verknüpfe einen Umweltreiz mit einem Wortsignal und einem darauffolgendem Alternativverhalten. 

Donnerstag waren zwei „Riesen“ mit an Bord. Dusty, ein Golden Retriever und Berta eine Briard-Hündin. Berta hatte eine kurze Schleppleine hinbekommen, da sie ab und an Hunde hetzt. Auf der zweite Runde gab es dann doch so eine Situation. Galo, ein Windhund war sehr schnell unterwegs und rannte um die Gruppe herum. Berta ist dann hinter ihm her und hat ihn gejagt. Anne hat die Siuation recht schnell unterbrochen. Als die beiden in unserer Nähe waren hat Sie Futter zu den beiden Hunden geworfen, da sie auf das Abrufsignal nicht reagieren konnten. Als das Futter geflogen kam, haben beide aber sofort aufgehört und mit dem Suchen begonnen.

„Riese“ Dusty
„Riese“ Berta

Anne: Für mich war das schon lang, aber Galo war eindeutig schneller als Berta, danach war sie ganz schön außer Atem. Auch bei dieser Methode lernen die Hunde auch wieder selbstständig aufzuhören, denn ich unterbreche das Rennspiel auf sehr nette Art und Weise.

Später trafen wir zwei kleinere fremde Hunde, die Galo sehr interessant fand. Wir sind mit der Gruppe weitergelaufen, aber Galo wollte lieber mit den kleineren Hunden spielen. Anne lies die Situation laufen, da sie wusste, dass Galo jetzt ein Rückrufsignal gar nicht wahrnehmen konnte. Nach ca. 10 Minuten hat sie den doppelten Rückpfiff eingesetzt und Galo kam schnell zurück.

Galo, auf den wir warten mussten

Anne: Galo hat schon ganz schön lange gebraucht bis er kam, aber dann kam er ja in vollem Galopp 🙂 Die anderen Hunde haben sich über die Futtersuche gefreut während wir auf Galo gewartet haben.

MIttwochabend hatten wir noch eine Einzelstunde mit einer Mischlingshündin. Die Besitzerin wusste nicht, was Sie als Alternative zum Jagdverhalten einsetzen konnte. Anne hat zuerst nochmal das Markersignal erklärt und mit der Besitzern zusammen konditioniert. Anschließend hat sie an schönen praktischen Beispielen veranschaulicht, wie man die Hündin nah an der Jagdsequenz beschäftigen konnte. Erst wurde der Futterbeutel erklärt und kleinschrittig angelernt, danach ein Echtfelldummy, der auch kleinschrittig angelernt wurde. Jedes Interesse, das die Hündin an den Dummys gezeigt hatte wurde gemarkert und belohnt. Die Hündin fand den Echtfelldummy natürlich total klasse und hat sich sehr schön damit beschäftigt. Der Dummy wurde z.B. in einem Baum versteckt und die Hündin hat gesucht und es gefunden.

Anne: Frauchen und Hündin hatten nach dem Erstgespräch ihre erste Stunde und dafür haben die Zwei es sehr gut gemacht! Suchaufgaben sind eine tolle Belohnungsmöglichkeit für jagdlich ambitionierte Hunde.

Freitag lief ich nochmal auf beiden Touren mit. Wieder haben wir viele Umweltreize getroffen und die Hunde sind mit Anne schön aus dem Weg gegangen um Futter zu suchen.

Silke Frankl bei ihrem letzten Tag mit ihrer Lieblingslabradorhündin

Anne: Freitag war für meine Verhältnisse nicht so viel los, da bin ich manchmal auch ganz froh, wenn die Tage ruhiger sind.

Mir hat die Coachingwoche viel Spaß gemacht, ich konnte nochmal viel über die Praxis zum Markersignal lernen. Anne markert in ganz vielen Situationen und ist sehr spendabel mit dem Futter. Sie sieht wahnsinnig viele kleine Signale der Hunde (trotz so einer großen Gruppe), die ich so auf Anhieb nicht gesehen hätte. Die Hunde lieben es mit Anne mitzugehen und sind sehr eingespielt auf den Gassi-Touren. Ich konnte einiges für mich und meine Hundegruppen mitnehmen und freue mich auf die nächsten Coachingtage.

Anne: Das freut mich, dass es dir gefallen hat 🙂

PS: Silke Frankl hat im März 2016 Sanny’s Dogwalker Ausbildung erfolgreich abgeschlossen! Herzlichen Glückwunsch!

Immer nur positive Verstärkung?

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Immer nur über positive Verstärkung arbeiten? Geht das? Leider muss ich sagen: Nein!

Um es zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen.

Jedes Säugetier lernt gleich: Klassische und Operante Konditionierung sind zwei wichtige Lernformen. In diesem Artikel lassen wir die anderen Lernformen außen vor. Auch klassische Konditionierung können wir zur Beantwortung der Frage: „Kann ich immer über positive Verstärkung mit meinem Hund arbeiten?“ unbeachtet lassen.

 

Kennt ihr dieses Bild? Fürchtet ihr es? 😉

Operante Konditionierung ist eine Lernform, bei der Verhalten mit Konsequenzen verknüpft wird. Es gibt vier verschiedene Konsequenzen – mehr nicht. Oben auf dem Bild seht ihr das Quadrat der Konsequenzen.

+ R = positive Reinforcement = positive Verstärkung

– R = negative Reinforcement = negative Verstärkung

+ P = positive Punishment = positive Strafe

– P = negative Punishment = negative Strafe

Nun muss ich euch ein bisschen was erklären, damit ihr dieses Quadrat der Konsequenzen auch versteht.

Positiv und negativ ist als „hinzufügen“ und „wegnehmen“ zu verstehen. Es ist also mathematisch und nicht im Sinne von „gut“ und „böse“ zu verstehen.

Verstärkung lässt Verhalten häufiger, schneller, länger oder intensiver auftreten. Außerdem bleibt Verhalten durch Verstärkung bestehen.

Strafe hemmt Verhalten und lässt es weniger häufig auftreten.

Tritt Verhalten also häufiger auf, dann wissen wir: Wir arbeiten über positive oder negative Verstärkung.

Tritt das Verhalten weniger auf, dann wissen wir: Positive oder negative Strafe.

Was aber bedeutet das?

+ R = Es wird etwas für Hund Angenehmes hinzugefügt

Beispiele:

  • Der Hund setzt sich, ich gebe dem Hund ein Leckerlie -> Sitzen wird verstärkt
  • Der Hund rennt über die Wiese und stöbert einen Hasen auf -> Rennen / Stöbern wird verstärkt
  • Der Hund kommt zu mir gelaufen und ich werfe dem Hund einen Ball -> Zurückkommen zur Bezugsperson wird verstärkt
    Dein Hund mag Apfel und hat gerade Hunger? Dann wird sein Verhalten damit verstärkt.

– R = Es wird etwas für den Hund Unangenehmes entfernt

Beispiele:

  • Hund A bellt an der Leine Hund B an, diese entfernt sich, während Hund A immer noch bellt -> Bellen wird verstärkt
  • Der Hund hat Angst vor Menschen. Es wird trainiert: Ein Mensch nähert sich dem Hund, der Hund zeigt kleine Anzeichen für Unwohlsein, aber kein Bellen (!), es wird markiert (mit dem Markersignal) und der Mensch entfernt sich wieder -> Annäherung des Menschen wird verstärkt
  • Der Hund bellt am Zaun, der Spaziergänger läuft einfach weiter -> Bellen am Zaun wird verstärkt

+ P = Es wird etwas für den Hund Unangenehmes hinzugefügt

Beispiele:

  • Hund A knurrt, wenn sich Hund B nähert. Der Mensch „Zssscht“ und bedroht den Hund körpersprachlich -> Knurren wird gehemmt
  • Der Hund bellt einen anderen Hund an, er wird von hinten angetippt und erschreckt sich -> Bellen wird gehemmt
  • Der Hund macht Sitz, der Besitzer streichelt den Hund, beugt sich dabei über den Hund und der Hund zeigt deutliches Meideverhalten -> Sitzen wird gehemmt

– P = Es wird etwas für den Hund Angenehmes entfernt oder vorenthalten, wenn der Hund es erwartet

Beispiele:

  • Der Hund bellt, weil er Aufmerksamkeit von seiner Bezugsperson haben möchte, dieser ignoriert den Hund und schaut weg vom Hund -> Bellen wird gehemmt
  • Beim 10-Leckerlie-Spiel werden die Leckerlies abgezählt, der Hund fängt das Jammern an, Bezugsperson gibt das Signal „Schade“, die Leckerlies werden weggesteckt und der Mensch macht die Leckerlietasche zu und dreht sich weg -> Jammern wird gehemmt
  • Der Hund macht Sitz, der Mensch greift in die Tasche mit dem Ball, entscheidet sich dann aber dafür, dem Hund nur ein Leckerlie zu geben und greift in den Leckerliebeutel und gibt dem Hund ein Leckerlie -> wenn der Hund sehr gerne Ball spielt, dann wird das Sitz gehemmt
Eine Box kann für den einen Hund ein Rückzugsort sein, für den anderen Hund ein Entzug vom Besitzer.

Gar nicht so einfach! Beim Schreiben hat es eine ganze Weile gedauert bis ich Beispiele im Bereich positive und negative Strafe gefunden hatte. Wie der Hund etwas empfindet, ist individuell. Ich sehe erst am Verhalten des Hundes, in welchem Quadranten wir uns gerade aufhalten.

Ist es immer einfach? Nein, leider nicht …

Dazu ein Beispiel:

Es ist eine „Trainingstechnik“ (extra in Gänsefüßchen):

Ein Hund mit Jagdproblematik. Diesem Hund wird ein Zughalsband umgemacht und an diese eine 10m Schleppleine. Man lässt den Hund mit Vollspeed in die Schleppleine rein rennen. Ziel ist es, dass der Hund nicht mehr jagen geht.

Welcher Quadrant? Das Rein rennen in die Schleppleine ist für den Hund sehr unangenehm. Es wird also etwas Unangenehmes hinzugefügt: + P

Funktioniert es? Kann man das so einfach sagen? Nein, kann man nicht.

Ist die Jagdmotivation des Hundes eher gering und der Hund vom Typus eher ängstlich, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Hund in seinem Leben nicht mehr Jagen geht.

Ist die Jagdmotivation groß und überwiegt die unangenehme Einwirkung, dann funktioniert diese Methode nicht. Das Jagdverhalten wirkt positiv verstärkend (es ist sogar selbstbelohnend) und der starke Leinenruck (positive Strafe) wirkt nicht so stark. Das Jagdverhalten ist stärker belohnend als die Strafeinwirkung hemmt.

In dem Artikel „Strafe und ihre Nebenwirkungen“ könnt ihr nachlesen, warum ich diese Methode nicht anwende. Mal ganz von den körperlichen Schäden dieser Methode abgesehen.

Zweites Beispiel:

Mit dem Hund wird größtenteils über positive Verstärkung gearbeitet. Positive Strafe wird nicht verwendet im Training. Allerdings müssen wir uns eingestehen: Sobald der Hund das Leinenende erreicht und die Leine ruckt, wird das vorher gezeigte Verhalten positiv gestraft. Jedes Mal, wenn wir „Fertig“ sagen und der Hund aber eine Belohnung erwartet, wird das davor gezeigte Verhalten über negative Strafe gehemmt.

Da das Erreichen der Schleppleine, am meisten im vollen Galopp, positive Strafe ist, sollte dies immer angekündigt werden.

Wir können also nicht komplett verhindern über negative und positive Strafe zu arbeiten. Aber wir können uns Gedanken darüber machen und erst alle anderen Möglichkeiten, die sich uns bieten, verwenden (Rahmenbedingungen verändern, Management, positive und negative Verstärkung). Abmildern kann man Strafeinwirkungen durch durchdachtes Training und durch Ankündigung von allen unangenehmen Einwirkungen, die einfach sein müssen (z.B. Leinenendesignal). Dazu habe ich im Artikel Regeln über Regeln ein wenig was geschrieben.

Sanny’s Podcast – Folge 7: Umweltbelohnungen

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Die Umwelt bietet uns und unseren Hunden mehr als wir denken. In dieser Podcastfolge erklären wir euch, was alles möglich ist, wenn der Hund kein Futter nimmt und auch nicht spielen will. Auch bei jagdlich motivierten Hunden ist diese Art der Belohnung sehr wichtig für den Trainingserfolg.

Natürlich erfährst du von Anne Rosengrün und Claudi Scheiblich in dieser Podcast Folge auch, wie du verschiedene Umweltbelohnungen aufbaust.

Hundesitter-Tipp: Wenn draußen viel los ist …

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Schönes Wetter ist toll: Es ist warm, aber noch nicht heiß. Auf einmal wird die Welt von sehr vielen Menschen besiedelt, man weiß gar nicht, wo die ganzen Menschen auf einmal alle herkommen? Frühling ist super, aber ich als Hundesitter hoffe nach einer Woche Sonnenschein dann doch auf Regen.

Als Hundesitter ist schönes Wetter immer verbunden mit einem Aufgebot an

  • Joggern und Radfahrern
  • Spaziergängern und Wandergruppen
  • Hunden
  • Reitern
  • Kindergartenkindern beim Ausflug

Daher sollte man mit einer 10er Gruppe sein Gassigebiet gut auswählen, je städtischer eine Umgebung ist umso mehr ist los. Je breiter und besser ausgebaut die Wege umso mehr ist los. Ich wähle bei schönem Wetter eher ruhige Gegenden (wenn es geht) und gehe viel im Wald.

Reserve-Leckerlies habe ich bei schönem Wetter auch dabei. Zum Einen nutze ich sie für Futtersuchspiele im Wasser, zum Anderen fühle ich mich einfach sicherer, wenn ich weiß, dass ich Leckerlies in Reserve habe. Ich möchte meine Hunde bei Begegnungen gut unterstützen, je schwieriger es wird, umso mehr Unterstützung braucht meine Hundegruppe. Auch nehme ich bei schönem Wetter gerne auch einen Teil hochwertige Leckerlies wie Wurst oder Käse mit.

  • Reserve-Leckerlies
  • Hochwertige Leckerlies wie kleingeschnittener Käse, Fleischwurst oder Wienerle

Kurze Schleppleinen zwischen 1 – 3m erleichtern in einer größeren Hundegruppe das Greifen nach den Hunden. Oft ist der Faktor Zeit entscheidend und bis 10 Hunde angeleint sind, dauert es etwas. 10 kurze Schleppleinen zu greifen, geht einfach viel schneller. Hunde, die mit Aggressionsverhalten auf Außenreize reagieren, bleiben an der Schleppleine.

  • 1 – 3m Schleppleinen (wenn die Hunde leichte Probleme mit bestimmten Umweltreizen haben) – schleifend
  • 5 – 10m Schleppleinen (wenn die Hunde mittlere – große Probleme mit bestimmten Umweltreizen haben) – schleifend oder in der Hand

Weitere Belohnungsmöglichkeiten sollten auch mit an Bord sein. Dazu eignet sich z.B. das Schleckerchen, verschiedene Spielzeuge wie Bälle, Quietschies oder Zergel. Das kommt natürlich auch auf die Hundegruppe drauf an: Wie verstehen sich die Hunde untereinander? Wie erregt sind die Hunde beim Spielen? Gibt es Streitigkeiten unter den Hunden, wenn Ressourcen wie ein Ball oder ein Zergel vom Menschen ausgegeben werden?

  • Schleckerchen, gefüllt je nach Vorlieben der Hunde
  • Futtertube, gefüllt je nach Vorlieben der Hunde
  • Spielzeuge wie Ball, Zergel oder Quietschie

Clicker und Pfeife gehören für mich eh zur Standartausrüstung, aber bei gutem Wetter sind diese zwei Trainingshilfsmittel ein Muss. Viele Hunde reagieren besser auf den Clicker als auf das Markerwort, da sich der Clicker deutlicher von unserer menschlichen Sprache unterscheidet. Die Pfeife habe ich mit meinen Hunden sehr intensiv trainiert. Ich verwende einen Triller als Umorientierungssignal und einen glatten Pfiff als Ankersignal. Meine Hunde reagieren sehr gut auf den doppelten Rückruf und kommen sehr schnell, wenn ich pfeife. Dazu habe ich noch zwei kurze Videos:

Und noch etwas ganz Wichtiges zum Schluss:

Kein Zeitdruck! Wer Zeitdruck hat, verliert!

Es kann schnell passieren, dass der 1-stündige Spaziergang mit vielen Begegnungen schnell 2 Stunden dauert. Damit muss man als Hundesitter bei schönem Wetter rechnen. Daher lieber die Strecke etwas kürzer wählen als bei schlechtem Wetter.

Sanny’s Podcast – Folge 5: Futterbelohnung

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Die Belohnung ist sehr wichtig beim Training mit unseren Hunden. Das Markersignal wird immer mit einer Belohnung verknüpft. Futter verwenden wir sehr gern.

In dieser Folge berichten wir dir von der Verwendung von verschiedenen Futterbelohnungen, speziell in einer Hundegruppe. Auch erklären wir dir, warum Futterbelohnungen wichtig sind und wie du Kreativität in deine Futterbelohnungen bekommst.

Sanny’s Podcast – Folge 3: Körperliches Blocken

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In dieser Folge erklären wir dir, warum wir körpersprachliches Blocken nicht gut finden.

Was ist körperliches Blocken?

Wenn die Hunde aus dem Auto aussteigen wollen, werden sie vom Besitzer oder vom Dogwalker geblockt, damit sie nicht so schnell aussteigen können, um eine Leine dranzumachen, wenn ein fremder Hund vorbei läuft oder ein Spaziergänger.

Für den Hund ist das unangenehm und er kann es mit dir als Bezugsperson verknüpfen, aber auch mit dem anderen Hund oder einem anderen Reiz.

Wie sieht körpersprachliches Blocken aus?

Der Mensch richtet sich frontal zum Hund aus und der Körperschwerpunkt ist nach vorne verlagert. Wir schauen den Hund dabei meistens direkt in die Augen. Die Vorwärtsbewegung des Hundes wird durch den menschlichen Körper blockiert.

Tipps beim Auto aussteigen

  • Signale beibringen, hochwertig belohnen statt blocken
    • Sitz
    • Warte
  • Umsicht durch den Hundehalter / Dogwalker
  • Den Hund anders festhalten, wenn er aufsteht und aus dem Auto aussteigen will (ohne Signal)
    • Mit dem Geschirrgriffsignal in das Brustgeschirr des Hundes greifen
  • Mit dem Markersignal, zum Beispiel „Click“, das Verhalten des Hundes verstärken, welches er von sich alleine zeigt
  • Der Mensch stellt sich seitlich zum Hund

Wenn dann doch etwas kommt …

  • Autotür kurz wieder zumachen und abwarten
    • Fremde Hunde sind häufig sehr neugierig
  • Hund einfach festhalten
    • Wenn das Erregungslevel nicht zu hoch ist

Und bei Hundebegegnungen?

  • Ein Blocken kann zu einer umgerichteten Aggression gegenüber dem Menschen führen
  • Die Motivation des Hundes bleibt und der Hund wird sehr stark frustriert
  • Der Hund findet einen Weg am Menschen vorbei
  • Das Blocken wird eine „Antezedenz“ (= Bedingung), da der Hund eine unangenehme Erfahrung gesammelt hat.

Antezedenzien sind auslösende Faktoren, die das Verhalten des Hundes beeinflussen. Dazu gehört die Gesundheit des Hundes, die aktuelle Stimmungslage und wir als Bezugsperson und damit auch das Blocken. Der Hund verknüpft das Blocken durch das Menschen als Bedrohung („Mein Mensch wird doof …“) in Verbindung mit fremden Hunden.

Die Konsequenzen von heute sind die Antezedenzien von Morgen. 

Ein Zurückdrängen des Hundes durch blocken, kann zu rückgerichteter / umgerichteter Aggression führen. Je aufgeregter der Hund ist, umso eher passiert es. Der Hund wird sehr stark in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und noch stärker frustriert.

Die menschliche Körpersprache

  • Gehemmte Hunde reagieren sehr stark auf unsere Körpersprache
  • Spielen wird sehr schnell durch blocken beendet, der Hund hat Angst

Was solltest du generell tun?

  • Seitlich zum Hund stellen
  • Körperschwerpunkt leicht nach hinten
  • Nicht stark über den Hund beugen
  • Hund nicht anstarren, kurze Blicke

Es gibt viele Trainingswerkzeuge, die bei Hundebegegnungen deutlich besser geeignet sind als das Blocken. Die Trainingswerkzeuge richten sich nach dem Hund und der Situation.

Wenn der Hund aggressiv nach vorne geht, dann wird das Verhalten durch den Geschirrgriff unterbrochen und der Hund bekommt ein Alternativverhalten angeboten, welches er vorher positiv erlernen durfte.

Es wird auf einer Stufe mit dem Hund gearbeitet, dass der Hund noch gar kein Aggressionsverhalten zeigt. Der Hund zeigt eventuell Konfliktzeichen, der Hund löst aber nicht aus. So können ganz viele Hundebegegnungen gut gemeistert werden. Das allerwichtigste Trainingswerkzeug ist unser Markersignal.

Aber ich muss dem Hund doch sagen, dass ich dieses Verhalten nicht haben möchte?

Jedem unerwünschtem Verhalten geht ein erwünschtes Verhalten voraus. Und da fange ich an zu arbeiten mit meinem Hund. Ich muss die Distanz vergrößern zum anderen Hund und das muss ich meinem Hund schmackhaft machen. Ich mache den Weg in die andere Richtung frei. Der Hund bläst die Backen auf, der Hund knurrt den fremden Hund eventuell schon an, dieses Verhalten kann ich noch verstärken und mit einer Distanzvergrößerung zum Auslöser belohnen, am besten mit einer Superbelohnung für den Hund. Der Hund lernt ein Alternativverhalten, welches etwas mit Distanzvergrößerung zu tun hat.

Anfangs, wenn die Trainingswerkzeuge noch nicht so gut aufgebaut sind, betreiben wir Management. Wir gehen noch nicht so weit in die Situation hinein.

Jeden Hund, den ich blocken kann, den kann ich genauso gut clickern.

Jeden Hund, den ich nicht blocken kann, für diesen Hund ist Training über Markersignalen sehr gut geeignet.